Nachgeholte Dekompression

Nachgeholte oder ausgelassene Dekompression

Werden Dekostops ausgelassen, z.B. schiesst man ungewollt oder aus Not zur Oberfläche, und begibt sich anschliessend wieder in die Tiefe, um die Dekompression abzuschliessen, spricht man von nachgeholter Dekompression.

Leider gibt es hier immer wieder begriffliche Probleme. Korrekterweise muss zwischen nachgeholter Dekompression und nasser Rekompression unterschieden werden. Im ersten Fall ist das sofortige, nochmalige Abtauchen gemeint, falls trotz Dekopflicht der Taucher kurz auftauchen musste, aber noch keine Symptome einer Dekompressionskrankheit zeigt.

Nasse Rekompression / IWR

Bei der nassen Rekompression taucht der Taucher, der bereits Symptome hat, erneut ab um dadurch eine weitere Stickstoffblasenbildung im Blut und im Gewebe zu verhindern und bereits bestehende Blasen gemäss dem Boyle-Mariott`schen Gesetz zu verkleinern. Der Vorgang ist der gleiche wie beim Einschleusen in eine Dekokompressionskammer, allerdings mit wesentlich höherem Risiko! Da der verunglückte Taucher meist unter Schockeinwirkung steht, muss er dauernd durch einen Begleiter überwacht werden. Eine medizinische Hilfe ist unter Wasser nicht möglich.

Es gibt klare Empfehlungen, ab wann man eine IWR (In-Water-Recompression) durchführen sollte. In Australien und Ozeanien kommt es gelegentlich vor, dass die Wege zu Dekompressionskammern zu lang sind, daher wurden von den dortigen tauchmedizinischen Gesellschaften Richtlinien zur nassen Dekompression erstellt, welche im Notfall auch gut funktionieren. IWR ist ein Risiko, bei der viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. Eine IWR im Sporttauchbereich ist zur Gänze auszuschliessen. Im Bereich des militärischen Tauchens, bei Forschungstauchgängen und gelegentlich auch bei technischen Tauchgängen ist die IWR im Notfall eine gangbare Alternative. Grundsätzlich gibt es 7 verschiedene IWR Tabellen, welche alle unterschiedliche Anforderungen an Ausbildung und Ausrüstung der Taucher stellen.

Eine nasse Rekompression ist durch die Notfall-Versorgungsdichte in Europa nicht angebracht und zumindest in der Schweiz lehnt die SUVA die Entschädigung bei nasser Rekompression grundsätzlich ab.

Vorgehen bei ausgelassener Dekompression

Die Tragweite einer ausgelassenen Dekompression hängt von der Situation ab:

  • Werden alle Stops ausgelassen besteht eine sehr hohe Gefahr von DCS, sobald die Dekompressionsverpflichtung mehr als 10 Minuten betragen hat.
  • Logischwerise wird das Risiko verringert, je mehr Dekompression gemacht wurde

Es gibt verschiedene Verfahren, abhängig von der letzten Stoptiefe, Dauer bis zum erneuten Abstieg und Befinden des Tauchers:

  • Letzter Dekostop <= 6m, befinden gut, keine DCS Symptome, Abtauchen innerhalb 1 Minute möglich
    ► Eine Minute hinzufügen und Deko gemäss Plan fortsetzen, ggf. letzten Stop ein paar Minuten ausdehnen
     
  • Letzter Dekostop <= 6m, befinden gut, keine DCS Symptome, Abtauchen innerhalb 1 Minute nicht möglich
    ► 1.5 mal die geplante Dekompressionszeit auf den verbleibenden Stops durchführen, den letzten Stop ausdehenen
     
  • Letzter Dekostop > 6m, befinden gut, keine DCS Symptome, Abtauchen innerhalb 5 Minuten (evtl. mit Sicherheitstaucher) möglich
    • Nach DSAT
      ► Auf 12m oder zum tiefsten Dekostop abtauchen und die Dekompression wiederholen. Die Aufstiegsgeschwindigkeit darf 3m/min. nicht überschreiten.
      ► 1.5 mal die geplante Dekompressionszeit auf den verbleibenden Stops ab und mit 9m durchführen, den letzten Stop ausdehenen
    • Nach USNavy und IANTD
      ► Innerhalb 3.5 Minuten auf 12m oder zum tiefsten Dekostop abtauchen und die Dekompression wiederholen.
      ► Auf 12m 1/4 des geplanten 3m Stops
      ► Auf 9m 1/3 des geplanten 3m Stops
      ► Auf 6m 1/2 des geplanten 3m Stops
      ► Auf 3m 1.5x des geplanten 3m Stops

Ist ein Abstieg nicht mehr möglich, muss Ruhe bewahrt und der Taucher mit reinem Sauerstoff versorgt werden. Zusätzlich ist er auf DCS Symptome zu überwachen. Beträgt die ausgelassene Dekompression mehr als 10 Minuten, so ist unverzüglich die Notfallkette auszulösen.

Nach einer nachgeholten Rekompression muss an der Oberfläche mindestens 30 Minuten reiner Sauerstoff geatmet werden.

 

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