Ausrüstungspflege

Wer sein Tauchequipment nicht pflegt und wartet, riskiert Funktionsstörungen bis hin zu Totalausfällen. Ein klemmender Reissverschluss eines Neoprenanzuges ist sicher nervig, was die Tauchsicherheit betrifft jedoch harmlos. Betrifft der „Klemmer“ einen Atemregler, kann dies tödlich enden.

Etwas Übung reicht, und man kann die meisten Mängel schon mit dem blossen Auge erkennen. Nicht jedes Teil der Tauchausrüstung ist jedoch gleich wartungsintensiv. Während bei Geräteflossen die Reinigung mit klarem Wasser und eine gelegentliche Sichtprüfung der Flossenbänder genügt, sollte das Herz der Ausrüstung, der Atemregler, in den vorgesehenen Revisionsintervallen auf dem Arbeitstisch eines entsprechenden Fachmannes liegen.

 

Um Schäden zu vermeiden, die Verwendbarkeit zu erhalten und die Lebensdauer zu verlängern, sollten Taucher nach dem Gebrauch ihrer Tauchausrüstung verschiedene grundlegende Pflege- und Lagerungsverfahren einhalten. Generell beinhaltet dies drei einfache Schritte:

1. Spülen
2. Trocknen
3. Lagern

Spülen

Nach dem Gebrauch sollte die gesamte Tauchausrüstung mit klarem Süsswasser abgespült werden. Durch das Abspülen werden Schmutz, Sedimente und Salz entfernt. Salz ist ein besonders bösartiger Feind, es dehnt sich beim Kristallisieren aus und wirkt als Katalysator bei der Korrosion von Stahl, Aluminium und Messing. Dazu kommt, dass die Kristalle scharf genug sind, um Löcher in die Schalen von Jackets zu stechen. Glücklicherweise reicht gründliches Abspülen mit reinem Süsswasser um die meisten dieser Substanzen zu entfernen. Warmes Wasser ist dazu effektiver als Kaltes.

Es sollte vermieden werden, mit Wasser unter hohem Druck auf Lungenautomaten, Ventile oder Messinstrumente zu spritzen. Dadurch werden Sedimentpartikel zwischen O-Ringe und Metallteile gepresst und können so zu Undichtigkeiten führen. Das Wichtigste beim Spülen des Atemreglers ist das dichte Verschliessen des Flaschenanschlusses. Ausserdem darf beim Spülen auf keinen Fall die Luftdusche der zweiten Stufe gedrückt werden, damit kein Wasser eindringen kann.

Sollte doch Wasser ins Innere gelangt sein, Atemregler an eine Flasche anschliessen und für 3 Sekunden die Luftdusche drücken, um das Wasser herauszupusten. Wenn die Ausrüstung nicht im nassen Zustand gespült werden kann, sollte sie über Nacht in Süsswasser eingeweicht und dann abgespült werden.

Und noch ein Tip: Wenn man den Atemregler über den Inflator entlüftet, kann man anschliessend das Jacket besser entwässern.

Trocknen

Die Ausrüstung sollte gründlich an der Luft trocknen können. Die ideale Umgebung ist ein gut gelüfteter Ort ohne direktes Sonnenlicht. Tauchanzüge sollten zum Trocknen auf breiten Kleiderbügeln aufgehängt werden.

Die übrige Ausrüstung sollte so gelagert werden, dass verbleibendes Wasser leicht ablaufen kann und Teile (speziell Schläuche) nicht geknickt werden.

Lagern

Sobald die Ausrüstung getrocknet ist, kann sie bis zum nächsten Gebrauch gelagert werden. Die Ausrüstung sollte dazu an einem trockenen Ort gelagert werden, um Vermoderung vorzubeugen. Wenn die Hersteller nichts anderes Vorgeben, gelten diese allgemeine Empfehlungen:

  • Lagere Ausrüstung nicht in direktem Sonnenlicht (vorzugsweise völlig dunkel) und halte Schadstoffe wie Autoabgase, Elektromotoren und andere Ozonquellen von ihr fern.
  • Gummiteile sollten ungeknickt und ungefaltet gelagert werden.
  • Teile aus klarem Silikon sollten, um Verfärbungen zu vermeiden, nicht mit schwarzen Gummiteilen oder Neopren in Berührung kommen.
  • Tauchanzüge sollten am besten auf zu diesem Zweck speziell konstruierten Kleiderbügeln aufgehängt werden.
  • Sollten Gummiteile für eine längere Zeit gelagert werden, sollten sie in Plastiktaschen versiegelt werden, um Schäden durch Ozon vorzubeugen.

Besondere Wartungsmassnahmen

Lungenautomaten

Beschädigungen am Mundstück können für Wassereinbruch sorgen. Nur feste und heile Bisswarzen sorgen für guten Sitz im Mund. Auch der Kabelbinder zwischen zweiter Stufe und Mundstück sollte vertrauenserweckend aussehen. Für Verschmutzungen in den zweiten Stufen gilt generell: Infektionsgefahr – gut abspülen oder gelegentlich desinfizieren schadet nicht.

2.Stufe eines Lungenautomaten mit Sand und Schmutz gefährdet die Sicherheit beim Tauchen

Was muss ich im Umgang mit dem Lungenautomaten beachten?

  • Atemregler immer vor Verschmutzung wie Staub oder Sand schützen.
  • Wassereintritt in das System verhindern: Deshalb beim Spülen nie die Luftdusche drücken und den Hochdruckanschluss beim Eintauchen ins Wasser immer mit dem Daumen verschließen. Die meisten Schutzkappen sind nicht dicht.
  • Hochdruckanschluss nicht mit Druckluft aus der Flasche freiblasen. Dadurch wird Schmutz und Wasser in die Stufe geschleudert!
  • Vor dem Anschluss an die Flasche das Flaschenventil öffnen, den Anschlussbereich freiblasen.
  • Möglichst kurzzeitig der Sonneneinstrahlung aussetzen.
  • Nach dem Tauchurlaub gründlich spülen und den Regler trocknen lassen.
  • Trocken und luftig lagern.
  • Vorgeschriebene Service- und Revisionsintervalle laut Herstellervorgaben einhalten.

Schläuche dürfen keine optischen Mängel haben. Wird das gummiartige Material porös, platzt der Schlauch – Schaue unbedingt auch unter dem Knickschutz nach. Einige Taucher verzichten deshalb ganz auf dem Knickschutz reduzieren aber bei ungeeigneter Schlauchführung die Lebensdauer des Schlauchs. Beim Flaschenanschluss sollte der O-Ring in einen guten Zustand sein und der Sinterfilter nicht mit Rost, Grünspan oder Sonstigem belegt sein.

Ein funktionstüchtiger Atemregler zischt nicht, die Finimeternadel schwankt beim Atmen ebenfalls nicht und beim Entlüften geht die Finimeternadel ruckfrei auf Null. Wird der Flaschenanschluss mit dem Daumen zugehalten, darf beim Atmen aus der zweiten Stufe keine Luft kommen.

Nicht vergessen sollte man das Finimeterdrehgelenk (Swivel) welches laufend unter Hochdruck gedreht wird und gelegentlich auch mit Schlick in Kontakt kommt. Ein Swivel im persönlichen Ersatzteilkit hat schon einige Urlaube gerettet.

Sofern der Hersteller keine andere Angaben macht, sollte ein Atemregler alle Jahre oder 100 Tauchgänge zum Fachmann in die Revision. Lass dir die ausgewechselten Teile zeigen, nur so hast du Gewähr dass die wichtigsten Teile ersetzt wurden.

Was wird bei der Revision der Atemregler gemacht?

  • Dokumentation: Atemregler, Bezeichnung der einzelnen Reglerstufen und Seriennummern, aller Zusatzteile wie Inflator-, Hochdruckschläuche, Sender etc.
  • Zerlegen des Reglers – also erste UND zweite Stufe.
  • Entfernen sämtlicher Verschleissteile (Hinweis: Die Altteile werden separat verpackt und als solche gekennzeichnet mit dem überprüften Regler zurück geliefert).
  • Reinigen der Einzelteile im Ultraschallbad bzw. von Hand.
  • Kontrolle sämtlicher Einzelteile auf Beschädigung und Verschleiss.
  • Montage der Reglerstufen mit neuen Verschleissteilen laut Herstellerangaben unter Beachtung der Vorschriften des jeweiligen Herstellers.
  • Einstellung des Mitteldruckes der 1. Stufe auf den geforderten Vordruck.
  • Einstellung der 2. Stufe auf den entsprechenden Mitteldruck.
  • Atemprüfung des Reglersystems an einer elektronischen Prüfbank.
  • Ermittlung der Prüfkurven, des Mitteldruckverlaufs und des Ein- und Ausatemwiderstands.
  • Abschliessende Überprüfung der Einstellwerte und Qualitätssicherung.

Flaschen

Über das simple Abspülen, Trocknen und Lagern zwischen den Tauchgängen hinaus benötigen Pressluftflaschen weitere Pflege und Wartung:

  • Beschädigungen des Flaschenäusseren und Ventils vermeiden.
  • Eindringen von Feuchtigkeit in die Flasche verhindern.
  • Regelmässige Inspektion und Prüfung der Flasche.

Durch korrekte Handhabung können Kratzer, Beulen und Dellen an ihrem Äusseren und Beschädigungen des Ventils vermieden werden.

Äussere Beschädigungen können deren Materialstruktur soweit schwächen, dass sie nicht mehr in der Lage ist, den Druck sicher zu halten. Jede beschädigte Flasche sollte vor dem erneuten Gebrauch einer Druckprüfung unterzogen werden.

Ein Flaschenventil abzuschlagen ist nahezu unmöglich, ein harter Schlag kann jedoch das weiche Messing des Ventils deformieren und es irreparabel beschädigen.

Deshalb sollten Flaschen mit Sorgfalt behandelt werden.

  • Transport liegend oder aufrecht in entsprechenden Halterungen.
  • Flaschen nicht herumwerfen.
  • Flasche nach dem Zusammenbau der Ausrüstung hinlegen, Ausrüstungsteile obenauf liegen lassen.
  • Flasche nicht über den maximalen Fülldruck hinaus füllen.
  • Flasche niemals über 82oC (z.B. Sonneneinstahlung im parkierten Auto) heiss werden lassen.

Da Luft unter Druck eine hohe Sauerstoffkonzentration hat, kann Feuchtigkeit an der Innenseite der Flasche besonders schädlich sein. Feuchtigkeit, speziell von Salzwasser, unterstützt die Rostbildung. Die Oxydation kann unter hohem Druck innerhalb von Tagen oder sogar Stunden stattfinden.

Korrodierter Flaschenboden (Rost) kann sehr schnell zu tödlichen Unfällen führen

Die regelmässige Prüfung verhindert den Einsatz gefährlicher Tauchflaschen

Aluminiumflaschen rosten nicht, bilden aber mit Feuchtigkeit eine Art „Schuppen“, welche sich ablösen und Ventile wie Lungenautomaten verstopfen. Pressluftflaschen dürfen deshalb nie komplett leergeatmet werden und vor dem zusammenschrauben sollte das Ventil auf trockenen Zustand geprüft werden.

Natürlich ist eine einwandfreie Kompressoranlage mit entsprechend gewarteten Filtern zwingend.

Flaschen sollten über einen längeren Zeitraum mit 10 bis maximal 20 bar, stehend gelagert werden. Die reduzierte Sauerstoffkonzentration minimiert Oxydationsschäden und Feuchtigkeitsschäden konzentrieren sich auf den Boden, wo das Material am stärksten und am leichtesten zu sehen/beurteilen ist.

Pressluftflaschen sollten jährlich visuell inspiziert werden. Diese Inspektionen werden in Tauchshops von erfahrenen und ausgebildeten Fachleuten durchgeführt. Dabei sollte das Ventil ebenfalls auf Leichtgängigkeit und Schäden überprüft und O-Ringe ausgetauscht werden.

Gemäss der Schweiz. Verordnung über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Strasse (SDR), müssen zu Tauchzwecken verwendete Druckgefässe alle fünf Jahre einer vollständigen wiederkehrenden Prüfung unterzogen werden. Diese umfasst eine visuelle Innen- und Aussenkontrolle, die Kontrolle des Gewindes sowie eine Wasserdruckprüfung mit vorgeschriebenem Prüfdruck, dem sog. Hydrostatischen Test.

Zwischen zwei wiederkehrenden Prüfungen erfolgt 2½ Jahre nach der letzten wiederkehrenden Prüfung eine Sichtprüfung. Diese Prüfungen werden in der Schweiz vom EGI, Eidgenössisches Gefahrengut Inspektorat, durchgeführt. Dazu wird die Flasche normalerweise mit Wasser gefüllt und in einer ebenfalls mit Wasser gefüllten Hochdruckkammer mit dem 1.5-fachen des zulässigen Fülldrucks während 30 Sekunden belastet.

Hinzu kommt eine Gewichtsprüfung, wobei das eingeschlagene Leergewicht der Flasche überprüft wird. Bei bedenklichen Gewichtsverlusten (z.B. Rostfrass) wird die Flasche aus dem Verkehr gezogen. Nach erfolgreicher Prüfung werden die Flaschen gereinigt, getrocknet und anschliessend die Prüfdaten eingeschlagen.

Druckflaschen für Life-Jackets werden analog behandelt, ebenso Nitrox-Flaschen. Flaschen welche nicht zum Tauchen verwendet werden (z.B. Notfallsauerstoff) müssen alle 10 Jahre einer Druckprüfung unterzogen werden, unabhängig von deren Inhalt.

Jackets

Prädikat „Grundsätzlich problemlos“. Zwei mögliche Fehlerquellen lassen sich aber mit einem Minimum an Pflege ausschalten: Luftauslässe verkleben nicht, wenn sie ab und zu aufgeschraubt, in klarem Wasser gespült und die Membrane mit Silikonfett behandelt werden. Vorsicht vor anderen Schmiermitteln, eine unerwünschte Reaktion mit dem Kunststoffmaterial der Membrane könnte die Folge sein.

Wenn die Ablässe nicht gepflegt werden, kann eine Fehlfunktion des Schnellablasses die Folge sein. Der Inflator bedarf auch eines gewissen Aufwandes, wenn gleich dieser gering ist – hin und wieder mit klarem Wasser zu spülen.

Was viele nicht wissen: Der Inflator ist ein Teil, das auch der Herstellerseitig vorgeschriebenen Revision unterliegt. Er enthält auch O-Ringe, die gewechselt werden müssen. Bei der Revision wird auch die Leichtgängigkeit und Funktion geprüft und hergestellt.

Bei Jackets ohne Inflator wie z.B. die Mares Airtrim-Serie oder Cressi FCS (Flight Control System) bedarf es etwas mehr Revisionsaufwand. Bei diesen Systemen kommt die Wartung des Steuermechanismus hinzu.

Wenn im Urlaub der Inflator versagt und Verschmutzung die Ursache ist, nicht verzagen: Den Inflator eine Weile in Cola einlegen und anschließend gut spülen. Die Phosphorsäure löst Verschmutzungen auf und der Inflator muss nicht zerlegt werden.

Trockentauchanzüge

Ähnlich wie die Situation bei Jackets verhält es sich bei den Ein- und Auslassventilen der Trockentauchanzüge. Die Fehlerquellen sind gleichfalls identisch, mit den entsprechenden Fehlfunktionen.

Der Reisverschluss sollte von Zeit zu Zeit mit Wachs behandelt werden. Um Schäden zu vermeiden, sollte dies bei geschlossenem Reisverschluss passieren. Ein nachwärmen mit einem Haartrockner verteilt den Wachs gleichmässig und macht den Reissverschluss wieder leichtgängig.

Manschetten immer leicht mit Spezialpuder oder ganz mildem Babypuder einpudern und niemals in Kontakt mit Silikonfett bringen.

Tauchcomputer

Tauchcomputer sind meistens recht einfach zu pflegen. Gründliches abspülen, wenn möglich nicht im selben Wasserbecken wie der Rest der Ausrüstung und eine regelmässige Batteriekontrolle. Gewisse Modelle müssen von Zeit zu Zeit neu kalibriert werden und die Aladdin-Modelle können schon bei 40% Batterieanzeige plötzlich den Geist aufgeben.

 

Sw Pred

Also besser vor dem Urlaub kontrollieren und im Zweifelsfalle früh genug die Batterie wechseln lassen.

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